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Eine Einführung in die verbundene Atmung

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
20.8.24
10 Minuten Lesezeit
Eine weiblich gelesene Person liegt auf dem Rücken, auf einer Yoga-Matte, Hände auf dem Bauch, Mund leicht geöffnet in einer verbundenen Atmung. Es sind Pflanzen im Hintergrund zu sehen.

In der Welt des Breathwork gibt es viele verschiedene Techniken, die uns helfen können, tiefer mit uns selbst in Kontakt zu kommen und unser Wohlbefinden zu steigern. Eine besonders kraftvolle Methode, die oft direkt mit dem Begriff "Breathwork" in Verbindung gebracht wird, ist die verbundene Atmung.

In diesem Artikel möchte ich dir einen Einblick in diese Technik geben, ihre Effekte erklären und dir zeigen, wie du sie sicher und effektiv in dein Leben integrieren kannst.

Was ist die verbundene Atmung (Conscious Connected Breathing)?

Die verbundene Atmung, im Englischen als "Conscious Connected Breathing" bekannt, ist eine Atemtechnik, die zum transformativen Breathwork zählt und uns erlaubt, tiefer mit unserem Körper, unseren Emotionen und unserem Geist in Kontakt zu kommen.

Breathworker*innen und Breathwork-Schulen legen manchmal unterschiedliche Schwerpunkte, in der Regel unterliegt die verbundene Atmung aber meist diesen Grundlagen:

  • Der Atem fließt kontinuierlich verbunden, ohne Pausen zwischen Ein- und Ausatmung.
  • Du atmest durch die Nase oder, für eine etwas intensivere Erfahrung, durch den geöffneten Mund.
  • Du füllst deine Lungen vollständig mit Luft, so dass du in alle Bereiche deines Körpers atmest.
  • Du atmest aktiv ein und passiv aus, so dass die Luft bei der Ausatmung möglichst ohne viel Anstrengung wieder aus dem Körper rausfließen kann.
  • Der Atemrhythmus ist in der Regel schneller bzw. intensiver als bei der normalen Alltagsatmung.

Was kann bei der verbundenen Atmung passieren?

Die Bandbreite möglicher Effekte bei der verbundenen Atmung ist sehr groß. Wichtig ist zunächst einmal, dass du weißt, dass jede Session einzigartig ist und jede Person ihre ganz eigenen Erfahrungen macht. Unabhängig davon also, was du schon von anderen Menschen über die Wirkung von Breathwork gehört hast, können sich für dich während des Atmens gegebenenfalls ganz andere Dinge zeigen.

Auf körperlicher Ebene könntest du zum Beispiel ein Kribbeln spüren, dich benommen oder schwindelig fühlen. Manchen Personen wird sehr heiß oder kalt während des Atmens, oder sie erleben leichte Krämpfe in Händen oder Gliedmaßen.

Mental können alte Erinnerungen oder Bilder vor deinem inneren Auge aufkommen, du kannst neue, kreative Ideen erhalten oder plötzlich Antworten auf Fragen finden, die dich schon lange beschäftigen.

Außerdem können während des Breathwork Emotionen in dir aufsteigen, die dein Körper in der Vergangenheit gespeichert hat, weil du sie bisher noch nicht gefühlt hast. Mir ist hierbei wichtig, dass Breathwork einen Raum ermöglicht, in dem alle Gefühle willkommen sein dürfen. Von Freude über Traurigkeit bis hin zu Wut darf alles sein und sich zeigen.

Einige Menschen berichten außerdem von tiefen spirituellen Erfahrungen während ihrer Atemreise.

Es kann aber auch sein, dass du während einer Breathwork-Session gar nichts von alledem erlebst (und auch das ist völlig okay). Jede Erfahrung ist wertvoll und richtig. Das Wichtigste ist, dass du lernst, deinem Körper zu vertrauen und auf seine Signale zu hören.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen beim Breathwork

So kraftvoll die verbundene Atmung auch sein kann, sie ist nicht für jede Person und jede Situation geeignet. Es gibt einige Umstände, unter denen du vorsichtig sein solltest und die Technik nur nach Absprache mit deiner Ärzt*in oder Heilpraktiker*in ausprobieren solltest.

Zu diesen Umständen (Kontraindikationen) gehören:

  • Wenn du unter Einfluss von Alkohol oder Drogen stehst
  • bei der Einnahme von anti-psychiatrischen Medikamenten
  • wenn du in der Vergangenheit Epilepsie, Glaukom, Schlaganfällen oder Herzinfarkten hattest
  • bei einer bipolaren Erkrankung oder Schizophrenie
  • bei Herz- oder Kreislauf-Beschwerden
  • bei unbehandelten Blutdruckproblemen
  • bei einer eingeschränkten Lungenkapazität (z.B. durch Asthma oder Long Covid)
  • bei Diabetes Typ 1
  • nach einer kürzlich erfolgten Operation
  • während der Schwangerschaft (besonders im ersten Trimester oder bei Risikoschwangerschaften)

Wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft, sprich bitte vorher mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, ob und in welcher Form Breathwork für dich geeignet ist. Deine Gesundheit und Sicherheit sollten immer an erster Stelle stehen.

Inklusion und Zugänglichkeit in der Breathwork-Praxis

Meiner Meinung nach sollte Breathwork für möglichst viele Menschen zugänglich sein. Gut ausgebildete Breathwork-Coaches können daher immer Alternativen anbieten, wenn die klassische Form der verbundenen Atmung für eine Person nicht passt.

Möglichkeiten, die du ausprobieren kannst, wenn sich die oben vorgestellte Version für dich nicht passend anfühlt oder du eine oder mehrere der oben genannten Kontraindikationen erfüllst, sind:

  • Statt durch den Mund kannst du durch die Nase atmen. Das ist in der Regel sanfter für das Nervensystem.
  • Statt intensiv verbunden zu atmen, kannst du die Kohärenzatmung nutzen, bei der du gleichmäßig lang ein und ausatmest, was eine beruhigende Wirkung auf dein System haben sollte.
  • Entgegen der Anleitung mancher Breathwork-Coaches musst du nie schnell oder intensiv atmen. Erlaube dir, deinen eigenen Rhythmus zu finden, der sich für dich passend anfühlt.
  • Viele Breathwork Sessions dauern 30 Minuten oder länger. Du kannst die verbundene Atmung aber auch nur für fünf oder zehn Minuten praktizieren und dann in eine andere, ruhigere Atemtechnik übergehen. Atme nur so lange verbunden, wie du auch in einer guten Verbindung zu deinem Körper bleiben kannst.
  • Wenn Liegen für dich nicht bequem oder angenehm ist, kannst du die Session in der Regel auch im Sitzen machen.

Dein Breathwork-Coach sollte gegebenenfalls weitere Vorschläge für Anpassungen für dich haben, wenn sich irgendetwas für dich nicht gut anfühlt.

Es ist essentiell wichtig, dass du beim Breathwork auf dich und deinen Körper hörst und deine Praxis entsprechend anpasst. Niemand sollte dir vorschreiben, wie du die verbundene Atmung „richtig“ zu machen hast, damit sie „funktioniert“.

Die verbundene Atmung im Alltag

Die verbundene Atmung ist ohne Frage eine kraftvolle Technik. Gleichzeitig ist mir wichtig zu betonen, dass sie keine Alltagsatmung ist und nicht "einfach so" zwischendrin angewendet werden sollte. Denn auch ein paar bewusste, verbundene Atemzüge können schon eine spürbare Wirkung haben.

Wenn du die verbundene Atmung in deinen Alltag integrieren möchtest, habe ich hier noch ein paar Vorschläge für dich:

  • Wenn du einen Energieschub brauchst, können zehn Atemzüge nach der verbundenen Atmung dir helfen, wieder in Schwung zu kommen.
  • Vor einer Meditation können ein bis zwei Minuten in der verbundenen Atmung deinen Geist klären und dich auf deine Praxis vorbereiten.
  • In Stresssituationen kann das bewusste Verbinden deines Atems helfen, das Gedankenkarussell im Kopf für einen Moment zu unterbrechen.

Wenn du längere Sessions machen möchtest, und besonders wenn du noch keine Erfahrung hast, ist es wichtig, dies unter Anleitung eines ausgebildeten, Trauma-sensiblen Breathwork Coaches zu tun.

Wie findest du den richtigen Breathwork Coach?

Damit du weißt, wonach du Ausschau halten solltest, wenn du Breathwork ausprobieren möchtest, habe ich hier noch ein paar Tipps für die Auswahl eines für dich passenden Breathwork-Coaches:

  1. Achte auf eine fundierte Ausbildung des Breathwork-Coaches! Frage gegebenenfalls nach, wo und wie lange der Coach ausgebildet wurde. Eine gute, tief-greifende Breathwork-Ausbildung sollte mindestens neun, besser zwölf Monate dauern, damit der Breathwork-Coach genug Zeit hat, Inhalte nicht nur zu lernen, sondern auch anzuwenden und in seine eigene Arbeit zu integrieren.
  2. Erkundige dich auch, wie viel Erfahrung der Coach mit deinen konkreten Themen hat. Dabei geht es nicht nur um die Erfahrung im Anleiten, sondern auch in der eigenen Praxis.
  3. Ein guter Coach sollte Trauma-sensibel arbeiten und wissen, wie man mit aufkommenden Emotionen umgeht. Er/sie/they weiß, dass es nicht ausschließlich darum geht, dass eine Breathwork-Erfahrung besonders emotional oder kathartisch ist, sondern dass vor allem wichtig ist, dass du deine Erfahrung gut integrieren kannst und du am Ende wieder gut geerdet bist.
  4. Achte auch darauf, ob der Ansatz des Coaches zu dir passt. Fühlst du dich wohl und sicher mit der Person?
  5. Stelle sicher, dass der Coach eine effektive Nachsorge und Unterstützungsmöglichkeiten nach der Session anbietet. Wie kannst du auch im Anschluss noch in Kontakt treten, falls sich nach dem Breathwork weitere Themen bei dir zeigen oder dir die Integration schwerfällt?

Wenn du zunächst mal einen Einblick in Breathwork und die Arbeit eines Coaches bekommen möchtest, können Gruppen-Sessions für den Anfang eine gute Option sein. Wenn du jedoch an tiefsitzenden inneren Themen arbeiten möchtest, besonders wenn diese mit Trauma zu tun haben, empfehle ich unbedingt 1:1 Sessions mit einer erfahrenen (und gut ausgebildeten) Expert*in!

Mythen und Missverständnisse über Breathwork

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Missverständnisse über Breathwork und die verbundene Atmung ansprechen, die es manchmal gibt.

Zunächst einmal ist Breathwork kein Wundermittel. Auch wenn es sehr kraftvoll sein kann, lösen sich innere Themen selten nachhaltig mit nur einer Session. Es ist ein Werkzeug für kontinuierliches Wachstum und Selbsterforschung, aber keine Einmallösung.

Des Weiteren bedeutet „intensiver“ nicht unbedingt „besser“. Kathartische Zustände können sich in dem Moment gut oder aufregend anfühlen, sind aber oft für das Nervensystem nicht integrierbar. Ich kann es gar nicht oft genug sagen, aber Nachhaltigkeit ist wichtiger als Intensität! Es geht darum, eine Praxis zu entwickeln, die du langfristig in dein Leben integrieren kannst und die eine echte nachhaltige Veränderung für dich bewirken kann.

Und schließlich möchte ich auch noch einmal dazu einladen, die Kraft hinter Breathwork wirklich ernst zu nehmen. Obwohl es stimmt, dass jede Erfahrung wertvoll ist, ist es eben auch wichtig, respektvoll und achtsam mit dieser Praxis umzugehen.

Die verbundene Atmung ist ein kraftvolles Werkzeug zur Selbsterforschung und persönlichen Entwicklung. Sie kann dir helfen, tiefer mit dir selbst in Kontakt zu kommen, Spannungen zu lösen und neue Perspektiven zu gewinnen. Mit Respekt, Achtsamkeit und der richtigen Anleitung kann diese Praxis zu einem wertvollen Begleiter auf deinem persönlichen Wachstumsweg werden.

Wenn du die verbundene Atmung selbst einmal ausprobieren möchtest und dir eine verantwortungsbewusste und Trauma-sensible Begleitung auf deiner Breathwork-Reise wünschst, komme gerne zu einer meiner nächsten Online Gruppen Breathwork Sessions dazu.

Viele liebe Grüße,

deine Svenja

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
20.8.24
10 Minuten Lesezeit