Was ist Trauma-sensibles Breathwork?
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In den letzten Jahren ist das Interesse an Breathwork quasi explodiert. Damit gewachsen ist auch die Anzahl der Menschen, die Breathwork mittlerweile anbieten. Viele von ihnen haben eine echte Leidenschaft für die Arbeit mit dem Atem, da bin ich mir sicher. Viele bezeichnen sich und ihre Arbeit auch als „Trauma-sensibel".
Das klingt natürlich erstmal professionell. Und gleichzeitig sehe ich immer wieder, wie Coaches, die dieses Label nutzen, jede Session nach dem gleichen Muster anleiten. Sie bieten keine individuellen Anpassungen oder Alternativmöglichkeiten an und fördern häufig sogar implizit kathartische Zustände. Das ist nicht Trauma-sensibel.
In diesem Blogartikel möchte ich daher heute mit dir darüber sprechen, was dieser Begriff für mich wirklich bedeutet und wie eine Trauma-sensible Begleitung von Menschen in Breathwork-Sessions wirklich aussehen kann.
Was macht Breathwork "Trauma-sensibel"?
Für mich beginnt Trauma-sensibles Breathwork mit dem Verständnis, dass jede Person ihr eigenes Nervensystem mitbringt, das geprägt ist von ihrer individuellen (und kollektiven) Geschichte. Jede Person kommt in einem anderen (Nervensystem-)Zustand in eine Session.
Das bedeutet, dass eine Atemübung oder Breathwork-Einheit, die für eine Person genau das Richtige ist, für eine andere Person im gleichen Moment zu viel sein kann. Eine „gute" Atemübung zur falschen Zeit ist schlicht die falsche Intervention.
Trauma-sensibles Arbeiten bedeutet also, dass einBreathworker nicht nur stumpf ihren Plan durchführen, sondern ihr Angebot an ihre Teilnehmer*innen anpasse. Das setzt voraus, dass sie Anzeichen von Aktivierung erkennen, auf individuelle Grenzen achten und das Tempo daran anpassen, was das individuelle Nervensystem tragen kann. Und es bedeutet, dass sie Ressourcen-orientiert arbeiten, erden und Halt geben, bevor sie einladen tiefer zu gehen.
Was "Trauma-sensibel" nicht bedeutet
Trauma-sensibles Breathwork ist kein Angebot, das nur für Menschen mit einem diagnostizierten Trauma gedacht ist. Wir alle tragen Erfahrungen in uns, die unser Nervensystem geprägt haben. Ein Trauma-sensibler Ansatz kommt allen Menschen zugute, weil er schlicht respektiert, wie individuell Menschen und ihre Körper funktionieren.
Und es bedeutet auch nicht, dass während des Breathwork „nichts“ passiert, alles ultrasanft und ohne Tiefe bleibt oder wir ausschließlich „Entspannung“ einladen. Es geht vielmehr darum, dass unser System nicht mit zu viel Intensität überflutet wird und in kathartische Zustände gepusht wird, die es im Nachgang nicht integrieren kann.
Tiefe ist möglich. Und in einem wirklich Trauma-sensiblen Raum ermöglicht sie echte Veränderung, weil sie dem Tempo und der Kapazität der atmenden Person angepasst ist.
Das Fundament Trauma-sensiblen Breathworks
Als atmende Person solltest du dich möglichst sicher fühlen können mit der Person, die dich durch die Session leitet. Unser Nervensystem ist biologisch so ausgerichtet, dass es immer zuerst nach Sicherheit sucht, bevor es sich auf tiefere Prozesse einlassen kann.
Gleichzeitig ist „Sicherheit“ ein relatives Konzept. Nicht jede Person kann sich gleich sicher fühlen. Das hat mit individuellen und kollektiven Erfahrungen zu tun, die wir machen.
Sicherheit kann und muss natürlich von Breathworker*innen unterstützt und gefördert werden (unter anderem durch Transparenz, das Respektieren von Grenzen und das Anpassen von Anleitungen auf individuelle Bedürfnisse), aber es kann nie garantiert werden. Wenn ein Breathworker einen „sicheren Raum“ in seinen Sessions verspricht, zeigt er vor allem, dass ihm ein fundamentales Verständnis vom Nervensystem fehlt und somit auch ein Bewusstsein für Trauma-Sensibilität.
Trauma-Sensibilität zeigt sich auch dadurch, dass wir dem Nervensystem immer wieder die Möglichkeit zum Orientieren und Erden geben. Das kann über die bewusste Arbeit mit unseren Sinnen sowie mit inneren und äußeren Ressourcen gefördert werden, aber auch mit bewusster Langsamkeit und der Einladung, immer wieder mit sich einzuchecken und in den Körper zu spüren.
Dabei muss ein Trauma-sensibler Ansatz auch den Körper in den Prozess involvieren. Stress und Trauma leben im Körper, somit muss auch Heilung im Körper geschehen, um nachhaltig zu sein. Ein Trauma-sensibler Ansatz arbeitet deshalb immer mit der Körperwahrnehmung und fördert behutsam(!) die Verbindung zwischen Mensch und Körper.
Menschen, die sich aufgrund früherer Erfahrungen gegebenenfalls nicht sicher in ihren Körpern fühlen oder Schwierigkeiten haben, diesen wahrzunehmen, brauchen außerdem häufig bewusst mehr Raum und Zeit. Ein Trauma-sensibler Ansatz berücksichtigt, dass die Anleitung gegebenenfalls besonders langsam und Ressourcen-orientiert passieren muss.
Schließlich bedeutet eine echte Trauma-sensible Breathwork-Begleitung auch zu verstehen, welche Rolle das eigene Nervensystem in dem Prozess spielt. Der Breathworker sollte die Person sein, die ein reguliertes Nervensystem in den Raum bringt und so auch in intensiven Phasen co-regulierend unterstützen kann. Wenn das eigene System dysreguliert ist, kann sich das auf die Menschen auswirken, die atmen.
Worauf du in Breathwork-Sessions achten kannst
Zum Abschluss habe ich hier eine Checkliste für dich mit Dingen, auf die du bei Breathwork-Sessions achten kannst, um sicherzugehen, dass dich eine echte Trauma-sensible Begleitung erwartet:
- Gute Breathworker*innen nehmen sich schon vor der Session Zeit, dich kennenzulernen, fragen nach möglichen Kontraindikationen, klären über diese auf und erklären dir, was auf dich zukommt.
- Zu Beginn der Session bekommst du einen Überblick über die angeleitete(n) Atemübung(en) (wie diese durchgeführt werden, wie sie wirken und was du während der Atmung erwarten kannst) und welche Alternativen es gibt, falls die Übung(en) für dich nicht passt. Du erfährst auch, woran du merkst, dass eine Atemübung dir nicht guttut.
- Die/der Breatworker*in versteht dich als Expert*in deines Nervensystems und Körpers, die weiß, was sie braucht. Du wirst eingeladen, bewusst und in deinem Tempo durch deine Erfahrung zu gehen.
- Es wird Ressourcen-orientiert gearbeitet, so dass du dein Gefühl von Sicherheit stärken kannst.
- Du wirst eingeladen, dich dosiert und Schrittweise an schwierigere innere Zustände anzunähern, statt direkt „voll einzutauchen“.
- Du bist eingeladen, die Empfindungen in deinem Körper bewusst wahrzunehmen und ggf. langsamere zu atmen, um die Verbindung zu deinem Körper wirklich halten zu können.
- Bei Gruppen-Sessions sind ggf. weitere unterstützende Personen dabei, die gemeinsam mit der Anleiter*in den Raum halten und Unterstützung anbieten können, wenn mehrere Personen gleichzeitig intensive Erfahrungen machen.
- Am Ende der Session bekommst du genug Zeit für deine Integration und Nachsorge. Du wirst nicht allein gelassen mit den Erfahrungen, die du während des Breathwork gemacht hast.
Und schließlich gibt es auch einige „Red Flags“, die du beachten solltest, weil sie klare Anzeichen dafür sind, dass eine Breathwork-Session nicht „Trauma-sensibel“ angeleitet wird:
- Du wirst nicht ausreichend informiert darüber, was dich erwartet.
- Kontraindikationen werden nicht thematisiert und du wirst nicht über gesundheitliche Aspekte aufgeklärt, die während des Breathworks zu berücksichtigen sind.
- Du wirst aktiv in Intensität oder Katharsis gepusht ("Atme stärker, lass es raus!").
- Es gibt keine alternativen Atemübungen, die du machen kannst.
- Dir werden keine Ressourcen- oder Erdungsübungen vorgestellt, die dich in intensiven Momenten unterstützen, dein Nervensystem zu beruhigen.
- Es gibt keinen Raum, Nein zu sagen oder eine Übung abzubrechen, sei es weil das nie kommuniziert wird oder weil ein sozialer Druck entsteht, "dabei zu bleiben".
- Nach der Session gibt es keine Möglichkeit zum Austausch oder Nachsorge.
Wenn du erleben möchtest, wie sich ein Trauma-sensibler Ansatz anfühlt, lade ich dich herzlich ein, zu meinen Online Gruppen Breathwork-Sessions zukommen. Hier begleite ich dich in einem kleinen, bewussten Rahmen durch deine persönliche Atemreise. [Link zu den Online Gruppen Breathwork-Sessions]
Und wenn du selbst lernen möchtest, wie du andere Menschen auf eine Trauma-bewusste Weise begleiten kannst, schau dir gerne meine Online-Ausbildung zum Breathwork- & Atem-Coach an. Trauma-sensibles Arbeiten zieht sich als Grundverständnis durch unsere gemeinsame Reise. [Link zur Ausbildung]
Wenn du Fragen zu diesem Thema hast oder deine bisherigen Erfahrungen mit uns teilen möchtest, lasse mir gerne am Ende der Seite einen Kommentar da.
Viele liebe Grüße
Deine Svenja
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