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Worauf du bei Breathwork-Coaches achten solltest

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
6.5.25
14 Minuten Lesezeit
Zwei weiblich gelesene Personen sitzen im Schneidersitz auf einer Yogamatte, die Hände in Mediationshaltung auf den Knien, lächelnd mit Blick auf das Notebook, das vor ihnen auf dem Boden steht.

Breathwork gewinnt in den letzten Jahren weltweit immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit. Mit dieser wachsenden Bekanntheit steigt auch die Anzahl der Angebote. Sowohl online als auch offline werden mehr vermeintlich „einzigartige“ Atemtechniken angeboten, die Menschen auf ihrem Weg zu „mehr Wohlbefinden“ und „innerer Transformation“ unterstützen sollen. Dabei bleibt die Qualität der Angebote leider häufig hinter den Versprechungen...

Mit diesem Artikel möchte ich dir einen Wegweiser an die Hand geben, der dich unterstützt, qualitativ hochwertige Breathwork-Angebote und vertrauenswürde Coaches zu erkennen.

Falls du gerade überlegst, selbst eine Breathwork-Ausbildung zu machen, lies gerne meinen Artikel mit konkrete Orientierungspunkten für deine Entscheidung für eine passende Breathwork-Ausbildung.

Warum die Auswahl des richtigen Breathwork Coaches so wichtig ist

Ich bin der festen Überzeugung, dass Breathwork ein unglaublich kraftvolles Werkzeug zur Selbsterforschung und persönlichen Entwicklung ist. Es kann dir helfen, tiefer mit dir selbst in Kontakt zu kommen, Spannungen zu lösen und neue Perspektiven zu gewinnen. Genau diese Kraft macht es aber auch notwendig, dass die Anleitung in sichere und erfahrene Hände gehört.

Eine ehemalige Teilnehmerin meiner Breathwork-Ausbildung hat vor kurzem eine erschreckende Erfahrung in einer vor Ort stattfindenden Breathwork-Session gemacht, von der ich mit ihrer Erlaubnis hier erzählen darf:

Es fing damit an, dass die Teilnehmenden vor Beginn nicht richtig über die angeleiteten Techniken aufgeklärt wurden und stattdessen einfach in die Breathwork-Einheit geleitet wurden, die weder Trauma-sensibel noch Nervensystem-bewusst angeleitet wurde. Stattdessen wurden die Menschen mehrfach aufgefordert, über ihre Grenzen zu gehen und sich in dissoziative, kathartische Zustände zu atmen. Der Höhepunkt der Unangemessenheit war dann, dass Berührungen und "Energie-Übertragungen" ohne vorherige Ankündigung beziehungsweise Konsens-Abfrage durchgeführt wurden.

Solche übergriffigen, unangemessenen Praktiken sind leider keine Seltenheit und können mehr schaden als helfen. Sie können zu Retraumatisierungen führen, neue Ängste auslösen oder zu einem tiefen Vertrauensverlust führen, und zwar nicht nur gegenüber dieser spezifischen Erfahrung oder Breathwork im Allgemeinen. Sie können sich auch langfristig negativ auf das Nervensystem und Wohlbefinden der Atmenden auswirken.

Woran erkennst du einen guten Breathwork-Coach?

Hier möchte ich einige wichtige Kriterien mit dir teilen, auf die du bei der Auswahl deiner Breathwork-Coaches unbedingt achten solltest.

Eine fundierte Ausbildung: Ein qualifizierter Coach sollte eine umfassende Ausbildung von mindestens 12 Monaten absolviert haben, in der er/sie/they Inhalte nicht nur theoretisch lernen, sondern auch praktisch anwenden und integrieren konnte.

Ein Trauma-sensibler Ansatz: Breathworker sollten verstehen, welche Rolle das Nervensystem spielt, wie Trauma im Körper wirkt, wie Atemübungen Trauma-Reaktionen auslösen können und was sie im Zweifelsfall tun können, um eine Person während der Breathwork-Einheit zu unterstützen, sollten emotionale Reaktionen auftreten. Die Anleitung sollte stets respektvoll sein und die individuellen Grenzen der Teilnehmenden achten (das heißt, niemand sollte dich dazu auffordern, „tiefer“ oder „schneller“ zu atmen, um noch mehr zu erleben, wenn du das nicht möchtest!)

Eine eigene Praxis: Jeder Coach sollte selbst eine regelmäßige Breathwork-Praxis haben und eigene tiefgreifende Erfahrungen mit dem Atem gemacht haben. Ohne diese persönliche Verbindung fehlt oft das Verständnis für die vielfältigen Erfahrungen, die während einer Session auftreten können.

Regelmäßige Supervision: Breathworker sollten außerdem in einem professionellen Rahmen regelmäßig an Supervisionen teilnehmen, in denen sie ihre Sessions und Erfahrungen mit Klient*innen reflektieren können. Auch für uns als Anbieter*innen endet der Lernprozess nie.

Ethische Grundsätze: Achte darauf, ob der Coach klare ethische Grundsätze hat und diese auch kommuniziert (zum Beispiel auf einer Seite auf deren Webseite). Dazu zählen unter anderem Punkte wie Vertraulichkeit, informierte Zustimmung/Konsens (auch, aber nicht ausschließlich bei Berührungen), Respekt für Grenzen und eine klare, professionelle Beziehung.

Anerkennung durch professionelle Organisationen: Es ist aktuell so, dass sich jede Person (auch ohne Ausbildung) „Breathwork Coach“ oder „Breathwork Facilitator“ nennen kann, da dieser Beruf weder im deutschen noch im europäischen Raum reguliert ist. Eine Mitgliedschaft in einer Organisation wie der Global Professional Breathwork Alliance (GPBA), die ethische und qualitative Standards für Breathworker und Breathwork Ausbildungen festlegt, kann hier ein guter Indikator für Qualität und Professionalität sein.

Persönliche Resonanz: Und schließlich sollten du und dein Nervensystem euch bei und mit der Person wohlfühlen, mit der du atmen willst. Wenn etwas in dir sich zusammenzieht, obwohl auf dem Papier alles stimmt, solltest du dieses Gefühl ernst nehmen.

Warum ein Trauma-sensibler Ansatz so entscheidend ist

Ich habe im vorherigen Absatz schon über die Wichtigkeit eines Trauma-sensiblen Ansatzes geschrieben. Hier möchte ich darauf noch etwas genauer eingehen.

Viele Menschen, die in Breathwork-Sessions kommen, haben ein dysreguliertes Nervensystem oder tragen bewusste oder unbewusste Traumata mit sich (das ist in der Welt, in der wir leben, ehrlicherweise fast unausweichlich). Diese Dysregulation kann durch die Arbeit mit dem Atem an die Oberfläche kommen und manchmal sogar intensiviert werden. Ohne ein Grundverständnis davon, wie Trauma im Körper wirkt und wie Menschen sicher durch diese Prozesse begleitet werden können, kann eine gut gemeinte Session echten Schaden anrichten.

Ein Coach, der wirklich Trauma-sensibel arbeitet, wird:

  • Sicherheit und Vertrauen aufbauen, bevor es in die eigentliche Atemarbeit geht;
  • Anzeichen von Dissoziation oder Überwältigung bei den Atmenden erkennen und darauf reagieren können;
  • dich unterstützen, wenn starke emotionale Reaktionen aufkommen;
  • dir Wahlmöglichkeiten geben statt Anweisungen;
  • kein kathartisches „Mehr ist besser" anstreben und stattdessen eine nachhaltige Integration unterstützen.

Gerade weil wir mit dem Atem arbeiten, der so eng mit unserem Nervensystem verbunden ist (und Trauma häufig im Nervensystem gespeichert wird), ist dieser Ansatz so essentiell.

Auf meinem Blog findest du übrigens noch mehr über den Unterschied zwischen den Begriffen Trauma-bewusst, Trauma-informiert und Trauma-sensibel (der ist nicht unerheblich!).

Gesellschaftliche Verantwortung in der Breathwork-Praxis

Ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist die gesellschaftliche Dimension von Breathwork. Breathwork ist nicht nur ein Werkzeug für individuelle Heilung, es steht auch in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext.

Verantwortungsvolle Breathworker denken deshalb auch über Inklusion und Zugänglichkeit nach. Wer hat Zugang zu ihren Angeboten? Wer fühlt sich in ihren Räumen sicher genug, um wirklich loszulassen, und wer eher nicht? Welche Barrieren (finanziell, sprachlich, kulturell) könnten bestehen?

Zudem ist eine kulturelle Sensibilität wichtig, besonders bei Atemtechniken, die ihre Wurzeln in indigenen oder außer-europäischen Kulturen haben. Die Geschichte der kulturellen Aneignung im Wellness-Bereich ist lang, und verantwortungsvolle Breathworker sollten sich auch damit auseinandersetzen.

Du darfst also gerne auch darauf schauen, wie ein Breathwork-Coach über diese Themen spricht. Gibt es zum Beispiel gestaffelte Preise oder Ratenzahlungen? Werden die Ursprünge der angeleiteten Techniken benannt? Wird Diversität mitgedacht oder richtet sich das Angebot implizit an eine sehr bestimmte Gruppe von Menschen?

Red Flags: Warnzeichen bei Breathwork-Coaches erkennen

Es gibt einige deutliche Warnzeichen, die dich aufhorchen lassen sollten, wenn sie dir bei einem Breathwork-Coach begegnen. Einige ergeben sich natürlich schon aus den oben genannten Punkten.

Fehlende Transparenz: Wenn Breathworker nicht offen über deren Ausbildung, Ansatz oder auch mögliche Risiken beim Breathwork sprechen, ist definitiv Vorsicht geboten. Ein Wochenend-Event oder ein Vier-Wochen-Kurs reichen in der Regel wirklich nicht aus, damit Menschen ein tiefes Verständnis über Atemprozesse erhalten und transformative Atemreisen sicher begleiten können. Abgesehen davon können in diesen kurzen Kursen kaum eine eigene Praxis oder Erfahrungen im Anleiten gesammelt werden.

Ich habe in der Vergangenheit auch schon Menschen getroffen, die Breathwork komplett ohne Ausbildungshintergrund, direkt nach dem Erleben von ein paar eigenen Sessions angeboten haben, weil sie dachten, dass „das ja nicht so schwer“ sei. Das zeigt für mich vor allem fehlendes Verantwortungsbewusstsein. Ein absolutes No Go im Breathwork!

Übertriebene Versprechen: Ich verstehe, dass wir alle gerne nach einer schnellen Lösung für unsere Herausforderungen suchen und es klingt wirklich so schön, wenn uns jemand sagt, dass sich unser ganzes Leben mit einer Atemtechnik oder im Rahmen einer Session verändern kann. In der Regel ist das jedoch nicht der Fall! Sei skeptisch bei Breathworkern, die sofortige Heilung oder dramatische Durchbrüche innerhalb kürzester Zeit versprechen. Ja, Breathwork kann kraftvoll sein, aber nachhaltige Veränderung braucht Zeit!

Keine Aufmerksamkeit für Kontraindikationen und Alternativen: Ein verantwortungsvoller Breathworker wird dich immer nach gesundheitlichen Vorerkrankungen fragen und wissen, welche Atemtechniken unter bestimmten Bedingungen (so genannten Kontraindikationen) nicht geeignet sind. Wenn dir (auch ohne Kontraindikationen) keine möglichen Alternativen angeboten werden und nur ein "One-Size-Fits-All"-Ansatz präsentiert wird, solltest du auf jeden Fall einen anderen Breathworker suchen!  

Fehlende Konsens-Kultur: Berührungen, energetische Arbeit oder körperliche Interventionen sollten niemals ohne deine ausdrückliche vorherige Zustimmung stattfinden. Ein Breathworker, der das nicht abfragt, überschreitet eine klare Grenze, die für sichere Räume grundlegend ist. Wenn du so eine Grenzüberschreitung erlebst, gib, wenn es dir möglich ist, hinterher Feedback – im Zweifel per E-Mail oder über eine Bewertung auf einer öffentlichen Plattform, so dass andere Teilnehmer*innen vorab gewarnt werden können.

Fehlende Nachsorge: Und schließlich sollte nach intensiven Sessions immer Raum für Integration und Nachbesprechung sein. Breathworker, die keine Nachsorge anbieten und nicht darüber aufklären, was für eine langfristige und nachhaltige Integration nötig ist, lassen ihre Klient*innen möglicherweise mit aufgewühlten Emotionen allein. Auch das ist unverantwortlich.

Welche Fragen kannst du vor einer Breathwork-Session stellen?

Viele der Dinge, über die ich hier geschrieben habe, kannst du vorab herausfinden. Die meisten Breathworker beantworten solche Fragen entweder schon auf ihrer Webseite oder bieten kostenlose Vorgespräche an. Und wie eine Person auf deine Fragen reagiert, sagt dir in der Regel auch schon einiges.

Ein paar Fragen, die du stellen kannst, um einen Breathworker besser kennenzulernen und zu entscheiden, ob die Person die richtige für dich ist, sind folgende:

  • Wo und über welchen Zeitraum wurdest du ausgebildet?
  • Nimmst du selbst regelmäßig an Supervisionen teil?
  • Wie sind deine Breathwork-Sessions aufgebaut und was passiert während dessen?
  • Welche Atemtechnik leitest du an? Für wen sind die geeignet und für wen nicht?
  • Wie gehst du damit um, wenn während der Session starke Emotionen oder Reaktionen aufkommen?
  • Falls du eine Kontraindikation hast: Worauf muss ich mit meiner Krankheit achten? Welche Alternativen gibt es, wenn ich nicht zu intensiv atmen möchte?
  • Arbeitest du mit Berührungen im Breathwork? Wie nutzt du sie?
  • Gibt es nach der Session Raum für Austausch?
  • Was empfiehlst du für eine nachhaltige Integration?

Wenn eine Person auf diese Fragen ausweichend oder abwertend reagiert oder keine für dich passenden Antworten hat, ist es vollkommen in Ordnung, wenn du bei ihr keine Breathwork-Session mitmachst.

Zum Abschluss möchte ich dich nochmal ermutigen, eigenverantwortlich und kritisch zu prüfen, mit wem du diese kraftvolle Praxis des Breathwork erlebst. Du darfst Fragen stellen, skeptisch sein und auch wieder gehen, wenn sich etwas nicht richtig für dich anfühlt. Breathwork hat das Potential, tiefgreifende positive Veränderungen zu bewirken, wenn es in einem möglichst sicheren, respektvollen und qualifizierten Rahmen stattfindet.

Wenn du meine Arbeit kennenlernen möchtest, lade ich dich herzlich zu einer meiner Online Breathwork-Sessions ein. Dort bekommst du einen Eindruck davon, wie ich Räume halte und arbeite.

Und falls du vorab noch Fragen hast, schicke mir gerne jederzeit eine E-Mail an hallo@svenjatasler.com.

Viele liebe Grüße,

deine Svenja

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
6.5.25
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